Historie

In mehr als 80 deutschen Unistädten gibt es laut Wikipedia bereits ein Semesterticket. München mit seinen zwei Eliteuniversitäten und mehr als 88000 Studierenden (vgl. www.muenchen.de) hat keines. Und das, obwohl es an Bemühungen, ein Semesterticket einzuführen, keineswegs gefehlt hat. Ein Überblick über den bisherigen Verhandlungsverlauf:

Seit 1992

Erfolglose Verhandlungen zwischen MVV und Studentenwerk über ein Semesterticket

November 2004

Der AK Semesterticket wurde an der TUM wird gegründet und steht in Kontakt mit verschiedenen Interessenten und Entscheidern: der Hochschulleitung der TUM, dem Studentenwerk München, dem MVV, dem bayerischen Wissenschaftsministerium, dem bayerischen Wirtschaftsministerium und der Stadt München sowie den Studentischen Vertretungen an LMU und FHM.

Frühjahr 2005

Beginn der aktiven Arbeit des AK Semesterticket

Februar bis Mai 2006

TUM-weite Onlineumfrage mit 6451 Teilnehmern unter anderem zum MVV-Nutzungsverhalten und dem bevorzugten Modell: 54,1% für das Sockelmodell, 26,9% für ein Einkomponentenmodell, 14,7% für ein Abomodell, 4,3% für die Beibehaltung des Status quo.

14.02.2007

Erstes Verhandlungsgespräch von Stadt München, MVV, Studentenwerk München, TUM

22.05.2007

Zweites Gespräch von MVV, Studentenwerk München, TUM, LMU, FHM:

  • Rechtliche Grundlagen (insbesondere Scheitern eines Einkomponentenmodells in Nürnberg am zu hohen Preis von 93 Euro)
  • Ankündigung einer Marktforschung an den Hochschulen durch infas im Auftrag des MVV

26.10.2007

Drittes Gespräch am von MVV, MVG, Deutsche Bahn, Studentenwerk München, Bayerisches Ministerium für Wissenschaft, TUM, LMU, FHM:

  • Ergebnispräsentation der Marktforschung durch infas
  • Diskussion zur rechtlichen Umsetzbarkeit eines Ein-Komponenten oder Sockelmodelles

19.12.2007

Viertes Gespräch von MVV, Studentenwerk München, TUM, LMU, FHM:

  • Vorlage einer Expertise zu rechtlichen Rahmenbedingungen der diskutierten Modelle durch das Wissenschaftsministerium
  • Sockelmodell scheint einzig umsetzbare Lösung auf Grund rechtlicher Ausschlusskriterien
  • Anfrage an den MVV zur Berechnung eines konkreten Angebotes

20.02.2008

Fünftes Gespräch von MVV, Studentenwerk München, TUM, LMU, FHM: Zwischenstand zur Berechnung des Angebotes

14.07.2008

Nach einem entsprechenden Beschluss der MVV Gesellschafterversammlung erklären die Verkehrsbetriebe die Verhandlungen einseitig und ohne vorherige Rücksprache mit den Verhandlungspartnern für gescheitert

18.07.2008

Mehrere hundert Studenten demonstrieren auf dem Marienplatz für ein Semesterticket

04.08.2008

Hochschulrat der TUM (besteht aus Hochschulleitung und Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und beruflicher Praxis) fordert in einer Pressemitteilung ein Semesterticket

14.11.2008

Das Studentenwerk München sowie die Präsidenten und Studentischen Vertretungen von LMU, TUM und HM fordern in einem offenen Brief die Einführung eines Semestertickets

24.11.2008

bis

27.11.2008

Die mehr als 24000 im Rahmen der Online Unterschriftenaktion “Für mehr drin!”gesammelten Unterschriften pro Semesterticket werden übergeben an:

  • den Bayerischer Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP)
  • den Münchener Oberbürgermeister Christian Ude (SPD)
  • den MVV

28.11.2008

MVV-Gesellschafterversammlung beschließt Wiederaufnahme der Verhandlungen

22.01.2009

Neustart der Verhandlungsrunde am 22.01.2009 mit MVV, Leitung Marketing DB-Regio & S-Bahn München, Bereichsleiter Vertrieb MVG, Studentenwerk München, Bayerisches Ministerium für Wissenschaft, Bayerisches Ministerium für Wirtschaft, TUM, LMU, HM, Hochschule für Musik und Theater

  • Festlegung eines maximal zumutbaren Solidarbeitrages von 75 EUR / Semester durch das Wissenschaftsministerium auf Grund rechtlicher Rahmenbedingungen und relevanter Urteile
  • Anfrage an den MVV zur Berechnung des Einkomponenten- sowie des Zweikomponentenmodelles (mit Sockelbeträgen von 55 und 75 EUR)

28.04.2009

Verhandlungsgespräch mit MVV, Leitung Marketing DB-Regio & S-Bahn München, Bereichsleiter Vertrieb MVG, Studentenwerk München, Bayerisches Ministerium für Wirtschaft, TUM, LMU, HM, Hochschule für Musik und Theater

  • Zugesichertes Angebot bleibt aus
  • MVG und DB-Regio stellen neue Bedingungen:
    • Zustimmung der drei größten Hochschulen LMU, TUM und HM in Urabstimmungen zu diskutierten Preisniveaus erforderlich (Abweichung von bisheriger Vereinbarung mit dem MVV)
    • Einschränkung der bisher diskutierten Nutzungsmöglichkeiten zu Nebenzeiten im Sockelmodell montags bis freitags auf 19 statt 17 Uhr
    • Sockelmodell mit Sockelbetrag 55 EUR / Semester wird von Verkehrsbetrieben trotz vereinbartem Auftrag zur Berechnung nicht angeboten

28.05.2009

Schriftliches Angebot von MVV, MVG und DB-Regio im Mai 2009: Aus Sicht der Studierenden besteht in verschiedenen Punkten Nachbesserungsbedarf

24.06.2009

Der MVV legt ein leicht verbessertes Angebot vor. So erlaubt das Sockelticket für 75 Euro montags bis freitags von 18:00 (statt bisher 19:00 Uhr) bis 6:00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen ganztags unbeschränkt viele Fahrten im MVV-Gesamtnetz.Der optionale Aufpreis für ganztägige Gültigkeit beträgt 137 Euro pro Semester falls LMU, TU und HM das Ticket gemeinsam einführen. Führt eine der drei genannten Hochschulen das Ticket nicht ein, soll nachverhandelt werden.

23.11.2009

bis

04.12.2009


Urabstimmung der Studierenden von LMU, TU und HM über das vorliegende Angebot (in der TU wurde ein Gesamtkonzept abgestimmt, das die Senkung des Sockelbeitrags auf 49 Euro durch Mittel aus Studiengebühren vorsah). Die Ergebnisse sind:

  • LMU: 47,9% Zustimmung; Beteiligungsquote 51,2%
  • TU: 82,5% Zustimmung; Beteiligungsquote 64,8%
  • HM: 65,5% Zustimmung; Beteiligungsquote 43,7%

bis April 2010

Damit ist das vorliegende Angebot an der LMU abgelehnt worden, es musste nachverhandelt werden

Nachverhandlungen:

Im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojekts soll das Semesterticket zu den abgestimmten Bedingungen zunächst nur an TU und HM eingeführt werden. Die MVG befürchtet durch den Wegfall der LMU Verluste bis zu 1,2 Millionen Euro. Eine Ausfallbürgschaft über 1,2 Millionen Euro soll aufgelegt werden. Die Stadt München erklärt sich bereit für ein Drittel der Summe einzustehen zu übernehmen, sofern das Land Bayern für ein weiteres Drittel einsteht. Das letzte Drittel sichern TU und HM ab.

29.04.2010

Bayerns Wissenschaftsminister Heubisch und Wirtschaftsminister Zeil erklären, dass der Freistaat nicht wie geplant ein Drittel der Kosten tragen kann, „weil der Nachtragshaushalt 2010 vom Landtag mittlerweile verabschiedet wurde.“Damit stünden derzeit „weder ein Titel noch entsprechende Mittel zur Verfügung“. Damit ist das Finanzierungskonzept für das Pilotprojekt gescheitert.

Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, liegt dies hauptsächlich daran, dass die MVG die “Ausfallbürgschaft” nun nicht mehr nur im Falle eines Verlustes haben möchte, sondern in JEDEM Falle.

10.05.2010

AK Semesterticket “Next Generation”: Nachdem viele der bisher aktiven Mitglieder ihre Arbeit im AK Semesterticket beenden möchten, beschließt eine neue Generation, den Einsatz für ein Semesterticket fortzusetzen.

Juni 2010

Der AK ruft die Studierenden Münchens auf, sich Alternativen zum ÖPNV zu suchen um auf die wenig zufriedenstellende Mobilitäts- und Verhandlungssituation aufzurufen.

08.06.2010

Am Rande einer Demonstration anlässlich einer Tagung der deutschen Verkehrsbetriebe im M.O.C. können Vertreter des AK mit Münchens Oberbürgermeister Ude und Bayerns Wirtschaftsminister Zeil sprechen. Beide versprechen, dass ein von den Studierenden vorgeschlagenes Preismodell untersucht wird.

13.07.2010

Oberbürgermeister Christian Ude lädt Vertreter des AK zu einem Gespräch ein, bei dem die Studierenden ihr Preismodell vorstellen.

Juli bis November 2010

Es entsteht ein Briefwechsel mit Oberbürgermeister Ude, der versprochen hatte, sich für ein anderes Angebot einzusetzen. Er lässt allerdings mitteilen, dass die Verkehrsbetriebe das Preismodell der Studierenden für nicht realisierbar halten.

22.11.2010

Der AK lädt zu einem Kick-Off Treffen, um neue interessierte Mitarbeiter zu werben.